Vladimir Nabokov – Klassiker der Erotik – Leseproben
BILD: Skandal! Die aufregendsten Bücher aller Zeiten – Lolita – Kontroverse zum Thema Pädophilie
Vladimir Nabokov – Man wird bemerken, dass ich Raumbegriffe durch Zeitbegriffe ersetze. Ich möchte nämlich, dass der Leser „neun“ und „vierzehn“ als Grenzen – spiegelnder Strand und rötliche Felsen – einer verzauberten Insel sieht, auf der diese meine Nymphetten ihr Wesen treiben, umgeben von einem weiten, dunstigen Meer…
Seine Feder wird scheinbar mühelos dem Sinnlichen ebenso gerecht wie der Emotionalität, der Wollust ebenso wie der Zärtlichkeit – Marcel Reich-Ranicki über Vladimir Nabokov
BILD titelte: Skandal! Die aufregendsten Bücher aller Zeiten
Rohwolt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg
Vladimir Nabokov – Lolita
Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter mehr als die sexuelle Zuneigung Erwachsener für Heranwachsende. Wenn man bedenkt, dass es nur wenige Jahre zurück liegt, dass sich selbst namhafte Politiker für die Legalisierung von Pädophilie einsetzten, Berühmtheiten der Zeitgeschichte sich als pädophil outeten und das Betrachten sexueller Handlungen an Kindern und jungen Jugendlichen in Bild und Film zur täglichen Gewohnheit wie vieler Menschen auch immer gehört, so weiß man, wie brisant der Stoff ist.

Vorbemerkungen
Trotzdem lieferte das im Roman von Vladimir Nabokov behandelte Thema unzählige Vorlagen für Literatur und Film und heizt die Fantasien an ….. Pädophilie beginnt, wenn sich Menschen, nach gängiger Meinung Männer – was allerdings falsch ist, da diese Neigung auch bei Frauen vorkommt, vielleicht weniger – wenn sich also Menschen am Anblick nackter Körper junger Mädchen oder Jungs sexuell stimulieren. Das ist noch nicht strafbar, selbst nach jüngsten Gesetzesänderungen nicht. Strafbar wird es erst dann, wenn aus Anschauen Berühren wird oder wenn der Anschauende an sich selbst sexuelle Handlungen vornimmt und seine „Lustobjekte“ Zeuge oder gar mit einbezogen werden. Und strafbar ist ebenso, wenn kindliche Nacktheit auf Bild und Film festgehalten und zum Zwecke der Befriedigung solcher Lüste vermarktet wird, strafbar für Produzenten wie Konsumenten.
Pädophilie steht in Deutschland unter Strafe
Das ist gut so und entspricht unseren modernen Wertvorstellungen, da die Akteure nur all zu oft gezwungen werden oder sich aus einer bitteren Not heraus für derartige Aufnahmen „verkaufen“. Insofern ist die Verschärfung der Gesetzgebung nur zu begrüßen. Wir sollten uns jedoch davor hüten, jeden zu verteufeln, der sich am Anblick junger Körper zu ergötzen scheint, so lange es dabei bleibt …
Pädophilie steht in Deutschland unter Strafe, zu Recht(!), aber die Gedanken sind frei. Der Roman von Vladimir Nabakov steht in deutschen Buchhandlungen, daher erlaube ich mir dessen Vorstellung und, meine lieben Leser, es gibt wunderschöne Frauen, die älter als Sechzehn sind und diesen Reiz des Unberührten in ihren Gesichtern tragen. Wollen Sie sich an mehr erfreuen, warten Sie lieber, bis sie nach dem Gesetz volljährig sind…. (der Autor dieser Seite)
Der Autor
Vladimir Nabokov – geboren am 22. April 1899 in Sankt Petersburg, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Schmetterlingsforscher, er gehört zu den bekanntesten Erzählern des 20. Jahrhunderts. Die Familie floh nach dem Putsch der Bolschewiki 1917 zunächst nach Deutschland. Hier erschienen seine ersten Dichtungen und Romane. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte die Familie über Frankreich in die USA. Dort lehrte er an verschiedenen Universitäten. Als Schriftsteller wurde er mit „Lolita“ bekannt. Der Roman erschien im Jahre 1955. Ein weiterer bekannter Roman ist Ada oder Das Verlangen. Nabokov verstarb am 2. Juli 1977 in Lausanne, Schweiz-
Teil 1 – Kapitel 5
Ich fand eine Stelle als Englischlehrer einer Erwachsenengruppe in Auteuil. Danach unterrichtete ich ein paar Winter lang in einer Knabenschule. Ab und zu benutzte ich die Bekanntschaft, die ich mit Sozialarbeitern und Psychotherapeuten angeknüpft hatte, um in ihrer Begleitung allerlei Einrichtungen wie Waisenhäuser oder Besserungsanstalten zu besuchen, wo man dicht bewimperte, blasse pubertierende Mädchen mit so völliger Straffreiheit anstarren durfte, wie es einem sonst nur in Träumen gestattet ist….
Hier möchte ich folgende Gedanken vortragen. Zwischen den Altersgrenzen von neun und vierzehn gibt es Mädchen, die gewissen behexten, doppelt oder vielmal so alten Wanderern ihre wahre Natur enthüllen; sie ist nicht menschlich, sondern nymphisch (das heißt dämonisch); und ich schlage vor, diese auserwählten Geschöpfe als „Nymphetten“ zu bezeichnen. Man wird bemerken, dass ich Raumbegriffe durch Zeitbegriffe ersetze. Ich möchte nämlich, dass der Leser „neun“ und „vierzehn“ als Grenzen – spiegelnder Strand und rötliche Felsen – einer verzauberten Insel sieht, auf der diese meine Nymphetten ihr Wesen treiben, umgeben von einem weiten, dunstigen Meer.
Das hübsche Äußere ist kein Kriterium
Sind innerhalb der angegebenen Altersgrenze alle Mädchenkinder Nymphetten? Natürlich nicht. Sonst hätten wir, die Eingeweihten, wir einsamen Wanderer, wir Nympholeptiker längst schon den Verstand verloren. Das hübsche Äußere ist ebenfalls kein Kriterium und Vulgarität, oder was man in gewissen Kreisen darunter versteht, beeinträchtigt bestimmte geheimnisvolle Merkmale auch nicht unbedingt: die Koboldgrazie, den ungreifbaren, verschmitzten, Seelen zerrüttenden, heimtückischen Zauber, die die Nymphette von ihren Altersgenossinen unterscheiden, welche unvergleichlich stärker in der Raumwelt synchroner Erscheinungen zu Hause sind als auf der unfassbaren Insel entrückter Zeit, wo Lolita mit ihresgleichen spielt …
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Innerhalb derselben Altersgrenze ist die Anzahl echter Nymphetten auffallend gering gegenüber den voraussichtlich unansehnlichen oder nur „ganz netten“ oder „herzigen“ oder sogar „süßen“ und „entzückenden“ gewöhnlichen, dicklichen, formlosen, kalt häutigen, durch und durch menschlichen kleinen Mädchen mit Bäuchen und Zöpfen, die sich vielleicht – oder auch nicht – dereinst als große Schönheiten entpuppen werden (man denke an die Pummel in schwarzen Strümpfen und weißen Hüten, die sich in Atem beraubende Leinwand-Stars verwandeln). Ein normaler Mann, dem man ein Gruppenbild von Schulmädchen oder Pfadfinderinnen mit der Aufforderung zeigt, er solle die Reizvollste aussuchen, wird nicht unbedingt die Nymphetten unter ihnen wählen….. Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>
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Die verhängnisvolle Ur-Elfe meines Lebens
Man muss ein Künstler sein, und ein Wahnsinniger obendrein, ein Spielball unendlicher Melancholie, dem ein Bläschen heißen Gifts in den Lenden kocht und eine Flamme schärfster Wollust unablässig in der elastischen Wirbelsäule lodert (ach, wie sehr man sich zu ducken und zu verkriechen hat), um an unbeschreibbaren Anzeichen – der leicht geschwungenen Raubtierkontur eines Backenknochens, dem Flaum an den schlanken Gliedern und anderen Merkmalen, die aufzuzählen mir Verzweiflung, Scham und Tränen der Zärtlichkeit verbieten – sofort den tödlichen kleinen Dämon unter den normalen Kindern zu erkennen… Da steht sie, von Ihnen unerkannt und ihrer mythischen Macht selbst nicht bewusst … Außerdem dürfte, da der Zeitbegriff in dieser Sache eine so magische Rolle spielt, der Wissbegierige nicht erstaunt sein zu erfahren, dass eine Kluft von mehreren Jahren, mindestens zehn, möchte ich sagen, gewöhnlich dreißig oder vierzig, in einigen bekannten Fällen sogar neunzig, zwischen Mädchen und Mann liegen muss, um letzteren in den Bann einer Nymphette geraten zu lassen. Es ist eine Frage der Blickeinstellung, einer bestimmten Distanz, die das innere Auge mit Freuden überbrückt, eines bestimmten Gegensatzes, bei dem der Verstand, wenn er ihn bemerkt, vor perversem Entzücken nach Luft schnappt……
Ein Kind noch war ich und war sie, und damals war meine kleine Anabel keine Nymphette für mich; ich war ihresgleichen, selber ein kleiner Faun auf unserer verzauberten, zeitlosen Insel; aber heute, im September 1952, nach neunundzwanzig Jahren, glaube ich, in ihr die verhängnisvolle Ur-Elfe meines Lebens zu erkennen……
Louise (Lo)
Aber weiter mit dieser kuriosen Geschichte. Als ich aufgefordert war, meine Beförderung vom Haus- zum Bettgenossen zu genießen, empfand ich da nur Bitterkeit und Abschau? Mitnichten. Mr. Humbert bekennt, dass es seine Eitelkeit in gewisser Weise kitzelt, dass er einen Anflug von Zärtlichkeit verspürte, sogar eine Art von Gewissensbiss, der delikat an der Klinge seines Verschwörer-Dolchs entlang lief. Nie hätte ich gedacht, dass die recht lächerliche, wenn auch recht hübsche Mrs. Haze mit ihrem blinden Vertrauen in die Weisheit ihrer Kirche und ihres Buchklubs, ihrer gezierten Sprechweise, ihrer schroffen, kalten, verachtungsvollen Haltung gegenüber einem anbetungswürdigen und nur mit Flaum bewehrten zwölfjährigen Kind zu solch einem rührenden, hilflosen Geschöpf werden könne, sobald ich Hand an sie legte, wie es auf der Schwelle zu Los Zimmer geschah, in das sie zitternd zurück wich, wobei sie unaufhörlich wiederholte: „Nein, nein, bitte nicht.“
Die Veränderung kam ihrem Aussehen zustatten. Ihr Lächeln, das so künstlich gewesen war, wurde zum Strahlen höchster Anbetung, einem Strahlen, das etwas Weiches und Feuchtes hatte und in dem ich staunend eine Ähnlichkeit mit dem entzückenden, leeren, verlorenen Blick Los erkannte, wenn sie sich in der Milchbar an einer neuen Sirup-Mixtur weidete oder stumm meine eleganten, immer frisch gebügelten Anzüge bewunderte. Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>
Der weiße Leib mit meinem Nymphchen
Fasziniert beobachtete ich Charlotte, wenn sie elterliche Wehwehs mit einer anderen Dame austauschte und die amerikanische National-Grimasse weiblicher Resignation zog (aufwärts rollende Augen, seitlich herunter gezogener Mund), die ich in kindlicher Form auch bei Lolita gesehen hatte. Wir tranken etwas – Whisky oder Gin – vor dem Zubettgehen, und mit dieser Hilfe gelang es mir, das Bild des Kindes herauf zu beschwören, während ich die Mutter umarmte. Dies war der weiße Leib, in dem mein Nymphchen 1934 ein zusammengekrümmter kleiner Fisch gewesen war. Dies sorgfältig gefärbte Haar, so leblos für meinen Geruchs- und Tastsinn, bekam in gewissen Lampen beleuchteten Augenblicken im Säulen-Bett den Ton – wenn auch nicht die Beschaffenheit – von Lolitas Locken. Wenn ich mit meiner nagelneuen, lebensgroßen Frau hantierte, sagte ich mir immer wieder, dass ich Lolita biologisch gar nicht näher kommen könne; dass Lotte in Lolitas Alter ein ebenso begehrenswertes Schulmädchen gewesen sei wie ihre Tochter jetzt und wie es auch Lolitas Tochter eines Tages sein würde. Ich brachte meine Frau dazu, hinter einer Schuhsammlung (der verstorbene Mr. Haze hatte offenbar eine krankhafte Leidenschaft für Schuhe gehabt), ein dreißig Jahre altes Album hervorzukramen, auf dass ich sehen könne, wie Lotte als Kind ausgeschaut hatte; und obgleich die Beleuchtung falsch war und die Bekleidung reizlos, gelang es mir, eine undeutliche erste Vision von Lolitas Silhouette, ihren Beinen, ihren Wangenknochen, ihrer Stupsnase zu erkennen. Lottelita, Lolitchen. Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>
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Fotos von kleinen Mädchen
So lugte ich verstohlen über die Hecke der Jahre in blinde kleine Fenster, und wenn sie, eine Frau mit majestätischen Brustwarzen und massiven Schenkeln, mich mit jammervoll eifrigen, naiv lasziven Liebkosungen auf die Ausübung meiner männlichen Pflicht vorbereitet hatte, war es dennoch Nymphetten-Duft, was ich verzweifelt zu erhaschen suchte, während ich durch das Unterholz dunkler, welkender Wälder hetzte.
Mein Plan war ein Wunderwerk primitiver Kunst: Ich würde zum Camp Q flitzen, Lolita sagen, ihre Mutter müsse sich in einer erdachten Klinik einer schweren Operation unterziehen, und dann mit meiner schläfrigen Nymphette von Gasthof zu Gasthof ziehen, während es ihrer Mutter besser und besser ginge, bis sie schließlich stürbe. Aber auf meiner Fahrt campwärts wuchs meine Angst. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, Lolita nicht vorzufinden – oder statt ihrer eine verstörte Lolita, die nach einem vertrauten Familienfreund barmt: nicht nach den Farlows, Gott sei Dank – sie kannte sie kaum -, aber könnte es nicht andere Leute geben, mit denen ich nicht gerechnet hatte? Schließlich entschloss ich mich zu dem Ferngespräch, das ich vor ein paar Tagen so geschickt vorgetäuscht hatte.
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Es goss in Strömen, als ich in einem schlammigen Vortort von Parkington hielt, kurz vor der Gabelung, deren eine Zinke an der Stadt vorbei zu der Landstraße führte, die die Hügel längs des Weges nach Lake Climax und Camp Q durchschnitt. Ich stellte den Motor ab und blieb mindestens eine Minute lang im Wagen sitzen, um mich für das Telefongespräch zu wappnen, und starrte durch den Regen auf den überschwemmten Gehsteig , auf den Hydranten – ein wirklich grauenvolles Ding, das dick mit silberner und roter Farbe bemalt war und seine roten Armstümpfe ausstreckte, um sich vom Regen lackieren zu lassen, der wie stilisiertes Blut auf das heraldische Silber der Ketten tropfte. Kein Wunder, dass das Parken neben diesen Albtraum-Krüppeln verboten war. Ich fuhr weiter bis zu einer Tankstelle. Eine Überraschung erwartete mich, als die Münzen endlich in gewünschter Weise herunter gerasselt waren und einer Stimme erlaubt wurde, der meinen zu antworten …Es sei mir erlaubt, diese Szene mit all ihren trivialen und schicksalhaften Einzelheiten einen Augenblick lang festzuhalten: Die Hexe Holmes, die eine Quittung ausstellt, sich am Kopf kratzt, ein Schreibtischschubfach aufzieht, Wechselgeld in meine ungeduldige Hand schüttet und dann säuberlich einen Schein mit den fröhlichen Worten: „… und fünf!“ darüber breitet; Fotos von kleinen Mädchen; ein prächtig bunter Tag- oder Nachtfalter, noch lebendig, der sicher an die Wand gespießt ist („Naturkunde“); das gerahmte Diplom der Diätistin des Camps; meine zitternden Hände; eine Karteikarte, die die tüchtige Holmes hervor zieht und die einen Bericht über Dolly Hazes Betragen im Juli enthält („befriedigend bis gut; Vorliebe für Rudern und Schwimmen“); rauschende Bäume, zwitschernde Vögel und mein hämmerndes Herz … Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>
Teil 1 – Kapitel 32
Sie erzählte mir, wie sie verführt worden war. Wir aßen fade, mehlige Bananen, angestoßene Pfirsiche und sehr schmackhafte Kartoffelchips, und die Kleine erzählte mir alles. Ihren beredten, aber abgehackten Bericht begleitete drolliges Gesichterschneiden. Ich habe schon bemerkt, glaube ich, dass ich mich ganz besonders einer sarkastischen Grimasse auf „Uff“-Ebene erinnere: seitwärts verzogener Wackelpetermund, die Augen in einer Standartmischung aus komischem Ekel, Resignation und Nachsicht mit jugendlichen Schwächen aufwärts verdreht.
Ihre erstaunliche Geschichte hob an mir einer Erwähnung ihrer Zeltgenossin vom vergangenen Sommer, in einem anderen Camp, einem „piekfeinen“, wie sie sich ausdrückte. Diese Zeltgenossin („eine ziemliche Schlampe“, „halb verrückt“, aber ein „feiner Kerl“) hatte ihr verschiedenen Manipulationen beigebracht. Zuerst weigerte sich die loyale Lo, mir ihren Namen zu nennen.
Ich wollte wissen, ob ihre oder Elizabeths Mutter von diesen sapphischen Zerstreuungen erfahren hatte.
„Um Himmels willen“, hauchte eine zusammensinkende Lo und mimte Schreck und Erleichterung, indem sie eine vorgeblich zitternde Hand an die Brust drückte. Ich interessierte mich allerdings mehr für heterosexuelle Erlebnisse. Sie war mit Elf in die sechste Klasse gekommen, bald nachdem sie aus dem Mittelwesten nach Ramsdale gezogen war. Was verstand sie unter „ziemlich übel“?
Also, die Miranda-Zwillinge hatten jahrelang im selben Bett geschlafen, und Donald Scott, der größte Dummkopf der Schule, hatte es mit Hazel Smith in der Garage seines Onkels gemacht, und Kenneth Knight – der Klügste – hatte sich entblößt, wo und wann immer sich eine Gelegenheit bot, und… „Jetzt zu Camp Q“, sagte ich. Und prompt erfuhr ich die ganze Geschichte. Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>
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Barbara Burke, eine stämmige Blondine, zwei Jahre älter als Lo und bei Weitem die beste Schwimmerin des Camps, hatte ein ganz besonderes Kanu, das sie mit Lo teilte, „weil ich das einzige Mädchen außer ihr war, das die Weideninsel schaffte“ (irgendein Schwimmtest, denke ich mir). Den ganzen Juli hindurch, jeden Morgen – beachten sie, Leser, jeden verdammten Morgen – hatte der dreizehnjährige Charlie Holmes, Sohn der Camp-Leiterin und einziges männliches Wesen auf Meilen im Umkreis (abgesehen von einem zahmen, stocktauben alten Hilfsarbeiter und einem Farmer in einem alten Ford, der, wie Farmer so sind, den Kindern im Camp Eier verkaufte), den beiden Mädchen, Barbara und Lo, das Boot zum Onyx oder Eryx (zwei kleine Waldseen) tragen helfen; jeden Morgen, oh Leser, schlugen die drei Kinder eine Abkürzung ein, quer durch das schöne, unschuldige Dickicht voll von all den Emblemen der Jugend, Tau, Vogelsang, und an einer bestimmten Stelle im üppig wuchernden Unterholz wurde Lo als Wache zurückgelassen, während Barbara und der Junge hinter einem Busch kopulierten.
Sexappeal wie eine rohe Mohrrübe
Zuerst hatte Lo sich geweigert, „es mal auszuprobieren“, aber Neugier und Kameraderie überwogen und bald trieben sie und Barbara es abwechselnd mit dem grobschlächtigen, griesgrämigen, aber unermüdlichen Charlie, der ebenso viel Sexappeal hatte wie eine rohe Mohrrübe, aber eine faszinierende Sammlung von Verhütungsmitteln vorweisen konnte, die er aus einem dritten nahe gelegenen See herausfischte, einem erheblich größeren und besuchteren, Lake Climax genannt, nach der prosperierenden jungen Fabrikstadt gleichen Namens. Obwohl sie zugab, dass es „irgendwie ganz witzig“ und „gut für den Teint“ gewesen war, hegte Lolita erfreulicherweise die größte Verachtung für Charlies Mentalität und Manieren. Auch war ihr Temperament durch diesen schmutzigen Satan nicht geweckt worden. Ich glaube im gegenteil, dass er es, der „Witzigkeit“ zum Trotz, eher gedämpft hatte. Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>
Kapitel 10
MANCHMAL… Na sag schon, Bert, wie oft genau? Kannst du dich an vier oder fünf oder mehr solcher Vorfälle erinnern? Oder hätte kein menschliches Herz mehr als zwei oder drei überlebt? Manchmal (ich fand keine Antwort auf deine Frage) wenn Lolita flüchtig ihre Schulaufgaben machte und dabei mit beiden Beinen über der Armlehne des Sessels am Bleistift kaute, gab ich all meine pädagogische Zurückhaltung auf, sah über alle Streitigkeiten hinweg, vergaß meinen ganzen Mannesstolz – und kroch buchstäblich auf den Knien zu deinem Stuhl, meine Lolita! Du warfst nur einen Blick auf mich – das grausame, samtige Fragezeichen eines Blicks: „Um Himmels willen, nicht schon wieder…“ (ungläubig, gereizt); denn nie hast du zu glauben geruht, dass ich mich auch ohne bestimmte Absichten danach sehnen könnte, mein Gesicht in deinem Schottenrock zu vergraben, meine Liebste! Die Zartheit deiner nackten Arme – wie verlangte ich danach, sie zu umfassen, alle deine vier glatten, köstlichen Gliedmaßen, ein hingestrecktes Füllen, und deinen Kopf zwischen meinen unwürdigen Händen zu halten, die Schläfenhaut auf beiden Seiten zu straffen, deine nunmehr chinesischen Augen zu küssen, und… „Bütte, lass mich in Ruhe“, sagtest du dann, „lass mich doch gefälligst endlich in Ruhe.“ Und dann stand ich vom Boden auf, und du sahst zu und zucktest mit dem Gesicht, meinen tic nerveux nachäffend. Aber was macht das schon, was macht das schon, ich bin ja nur ein Vieh, macht nichts, nur weiter mit meiner elenden Geschichte … Vladimir Nabokov – Alles lesen>>>

Verfilmungen
Der Roman wurde zweimal verfilmt. Zuerst im Jahre 1962 von Stanley Kubrick, mit James Mason als Humbert. Die bekanntere Verfilmung ist allerdings die aus dem Jahre 1997 von Adrian Lyne, mit Jeremy Irons als Humbert, Melanie Griffith als Charlotte Haze und schließlich Dominique Swain als Lolita in einer amerikanisch-französischen Co-Produktion. Dominique Swain gewann im Jahr 1999 für ihre Rolle in Lolita den Young Artist Award. Wegen des umstrittenen Themas dauerte es ein Jahr, bis der Film veröffentlicht wurde.
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Regenwürmer vertragen kein Coffein
Die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe| Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir das in dieser Geschichte niedergeschriebene erspart geblieben wäre, hätte ich nicht am 25. August des Jahres 1997 virtuell einen Chatroom betreten, der den vielversprechenden Namen „Manager-Treff“ trug. Ebenso wenig sicher bin ich mir, ob es nicht besser gewesen wäre, der Bekanntschaft, die sich an besagtem Tage anbahnte, lieber aus dem Wege zu gehen. Überhaupt nicht sicher hingegen bin ich mir, ob ich das Ganze nicht vielleicht doch hätte erleben wollen und vielleicht tief traurig darüber gewesen wäre, hätte es überhaupt nicht stattgefunden. Was selbstverständlich hinterher niemand hätte wissen können, am wenigsten ich selbst ...Lisa, gerade vierzehn geworden, benahm sie sich völlig ungeniert, als wir uns zum ersten Mal begegneten. Man könnte so weit gehen, sie als völlig schamlos zu bezeichnen. Frech, kess, einen Hauch frivol. Sogar eine Prise Obszönität schien tief in ihrem Wesen versteckt zu sein. Das lag wohl eher daran, dass sie nicht vollumfänglich imstande war, die Wirkung ihres frühreifen Körpers auf spätreife Männer in seiner gnadenlosen Wucht auch nur ansatzweise zu erkennen. |
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![]() | Luise, blond und zweigeteilt in die lähmende Kälte des Nordens oben herum. Weiter südlich, vom Nabel abwärts, das ewig lodernde Feuer der Südländerin. Das war nicht immer so. Als wir uns das erste Mal körperlich trafen, wirkte sie welk. In ihrem Schoß schien sie trocken und völlig erkaltet. Später entwickelte sich die Region zwischen ihren Oberschenkeln zu einem pulsierenden Moloch, der mich, flog sie ihrem Höhepunkt entgegen, jedes Mal in sich hinein sog. Wenn er mich wieder ausspuckte, dann einzig zu dem Zwecke, mich einen Augenblick später erneut zu verschlingen. Wie eine wiederkäuende Kuh. Wir lernten uns in dem eingangs erwähnten Chat-Room kennen, in der Zeit kurz nachdem das internationale Spinnennetz seine Ausläufer über den großen Teich hinweg bis nach Deutschland wie in den Rest der Welt hinein schob. |
| Luise bewegt sich weiter, schneller … Nichts geht mehr, rien ne va plus. Enttäuscht wirft sie sich auf den Rücken. Ein Zischen dringt aus ihrem Hals. Wie wenn man beim Ausatmen die Zunge an den Gaumen drückt, wie bei einer Schlange, begleitet von zornigem Stirnrunzeln. Das höre und sehe ich zum ersten Mal. Bislang gab es nie einen Grund dafür. „Wir haben den ganzen Tag Zeit … Dazu die halbe Nacht …“, will ich sie vertrösten. Doch sie springt bereits aus dem Bett. Grollend zieht sie sich den Morgenmantel über, anschließend geht sie ins Bad. Als ich ihr wenig später folge, kommt Lisa in Bernys Begleitung aus ihrem Zimmer heraus. Zähnefletschend wedelt er mit dem Schwanz. Lisa lacht mich aus ihren strahlenden Augen heraus an, so blau wie tief. Einen Augenblick lang berühren sich im Vorübergehen unsere Hände, ein Hauch Zärtlichkeit. Sekundenbruchteile wandeln sich zu einem endlosen Flug in die Ewigkeit, am Ende ein Licht, das ein leises Sirren sendet. So muss Odysseus den Gesang der Sirenen empfunden haben …Alle Leseproben>>> |
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